• Noëmi

Erster Arbeitstag

Es ist schon eine Weile her, seit ich meinen letzten, ersten Arbeitstag hatte. Ich muss früh los, denn um 7:15 sollte ich von der Verantwortlichen von ICYE Cochabamba abgeholt und in mein Projekt gebracht werden. Endlich darf ich etwas machen! Letzte Woche sind wir viel rumgesessen und haben administrativen Kram erledigen müssen. Jetzt bin ich etwas nervös. Wie wird es sein? Wie reagieren die Kinder auf eine neue Person, die erst noch fast kein Spanisch spricht? Ist es weit weg von da wo ich wohne? Wie sind die anderen Mitarbeitenden?


Selbst verständlich bin ich schon um 7:10 bereit und um 7:15 erreicht mich die Nachricht, dass ich erst um 7:30 abgeholt werde. Doch auch dabei bleibt es nicht, denn bis wir wirklich ins " Trufi " (eine Art Bus, aber dazu später einmal mehr) steige ist es bestimmt 7:40. Wir fahren zuerst zum einen Standort in der Stadt, wo auch das Musikprojekt ist. Wir werden von "Fe" empfangen. Er wird heute mit mir im Projekt arbeiten. Allerdings müssen wir zum Zirkusprojekt, welches ziemlich weit weg ist. Mit dem " Trufi " brauchen wir fast 50 Minuten. Auf dem Weg erklärt er mir, dass das Projekt erst nächsten Dienstag startet. Die Kids werden also erst nächsten Dienstag kommen und wir bereiten in dieser Woche alles vor und planen die genauen Aktivitäten. Zuerst müssen wir aber alle Sachen des Zirkus (Einräder, Jongliersachen, das Trapez, Verkleidungssachen und vieles mehr) in einen neuen Raum bringen und diesen neu einrichten. Zuerst putzten wir den Raum (mit einem Besen von der Höhe eines knappen Meters) und beginnen dann, die Sachen im anderen Raum einzuräumen. Wir sind noch nicht allzu weit gekommen, da kommt die Köchin und verkündet, dass die Sachen noch einmal in einen anderen Raum müssen, der etwas weiter hinten ist. Und zwar nicht nur die Sachen vom Zirkus sondern alles. die zwei grossen Tische, die Bänke, der Kühlschrank und die mobile Küche. Toll.. Also putzen wir den anderen Raum weiter hinten und beginnen, die Sachen nach hinten zu bringen. Der Sohn der Köchin (ca. 5-6 Jahre alt) hilft fleissig mit und transportiert auch ganz stolz sein "monociclito" (ein Mini - Einrad). Die Einräder, Hula Hup Ringe, Jonglierbälle- und Keulen sind ja einfach zum Transportieren. Die zwei grossen Tische bereiten uns allerdings ziemliche Kopfschmerzen, denn die wollen einfach nicht durch die Tür passen. Nach gefühlten 100 Versuchen klappte es dann mit Müh und Not. Beim zweiten Tisch wissen wir ja jetzt wie's funktioniert, doch einfach ist es deswegen nicht. Und der unebene Boden und die Treppe, die gleich dahinter ist machen die Sache nicht einfacher. Schliesslich schaffen wir es und können somit das "Klassenzimmer" einrichten. Dort werden Workshops und Theorie zu den Zirkusaktivitäten stattfinden, wenn ich es richtig verstanden habe. Der Sohn der Köchin fleht mich währenddessen ununterbrochen an, doch mit ihm eine Partie Schach zu spielen. Bei diesem Hundeblick konnte ich fast nicht nein sagen, doch ich bin hier zum Arbeiten. Ein anderes Mal bestimmt! Als wir das Meiste transportiert haben (es fehlt nur noch der Kühlschrank und die grossen Kissen, die unter dem Gerüst für die Vertikaltuchakrobatik platziert werden) beschliessen wir, dass für heute genug ist. Fe zeigt gibt mir noch die Übersicht über die Wochen, die kommen. Ich bin erstaunt, dass hier alles so genau durchgeplant ist! Jeder Tag ist mit Datum aufgelistet und es wird beschrieben (mit Zeitangabe!), was an welchem Tag gemacht wird. Bis jetzt war so ziemlich alles in Bolivien so gut wie nicht durchgeplant, aber es gibt anscheinend auch Ausnahmen :)


Ich freue mich auf jeden Fall auf morgen, auch wenn ich noch nicht weiss, wie wir den Kühlschrank vom einen Raum in den anderen bringen sollen und dann auch noch nur zu zweit, aber wir werden schon eine Lösung finden. Dann soll es mit Einrichten und dekorieren weiter gehen. Ich bin ja Mal gespannt und freue mich auf nächste Woche, wenn die Kids kommen und hier richtig viel los sein wird. Denn am Nachmittag sollen mehr als 30 Kinder kommen habe ich mir sagen lassen.


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