• Noëmi

Durchkreuzte Pläne

Pläne in Bolivien sind schwierig. Meist ändert 5 Minuten bevor man irgendwo hin will der ganze Plan. Dieses Wochenende verlief aber trotz für bolivianische Verhältnisse guter Planung definitiv nicht nach Plan. Gestartet hat es eigentlich ganz gut. Am Donnerstag morgen machten wir uns mit dem Bus auf in Richtung Oruro, von wo es dann weiter gehen sollte nach Uyuni um dort eine drei Tages Tour auf dem Salar de Uyuni, der grössten Salzwüste der Welt zu machen. Wir fuhren also los, doch nach ca. 20 Kilometern kamen wir in den Stau. Doch es wollte und wollte nicht weitergehen. Als dann jemand sagte, die Strasse wäre blockiert, machte alles etwas mehr Sinn. Hier ist es normal, dass wenn die Menschen mit etwas nicht einverstanden sind (politische Anliegen, geplante Bauprojekte etc.), sie die Strasse blockieren. Wir sahen schon einmal so eine "bloceo" und dort liessen sie alle 30 Minuten ein paar Lastwagen und Reisebusse passieren. Wir machten uns also nicht allzu grosse Sorgen. Als dann nach gut einer Stunde immer noch nichts ging, wurden wir etwas unruhig. Ausserdem wurde es immer wärmer im Bus, denn die Klimaanlage funktionierte bei ausgeschaltetem Motor logischerweise nicht, die Fenster liessen sich nicht öffnen, und wir standen an der prallen Sonne auf dem Highway. Kristina und Ben stiegen dann Mal aus, um zu schauen, was los ist, wo die Bloceo ist, und um der Hitze im Bus zu entfliehen. Als sie weg waren wurde plötzlich der Motor gestartet und wir fuhren ein kleines Stück. Wir kamen aber glücklicherweise (Kristina und Ben waren nirgends zu sehen) nicht allzu weit. Aber dieses kleine Vorwärtskommen brachte uns wieder mehr Hoffnung. Vielleicht geht es ja doch noch weiter und wir schaffen es noch ohne Probleme nach Uyuni. Denn wir wussten nicht, wann in Oruro die Busse fahren, doch wir nahmen an ziemlich oft, denn der Salar de Uyuni ist so gut wie die Sehenswürdigkeit Nummer eins in Bolivien. Die Zeit verstrich, und nichts passierte. Wir kamen kein Stück vorwärts. Wir gingen verschiedene Optionen durch, was wir machen konnten, doch viele gab es nicht. Ein Taxi nach Oruro war ziemlich teuer, da wir noch fast in Cochabamba waren. Also blieb uns nur eins: Warten. Nach drei Stunden beschlossen wir ein Taxi zu nehmen, doch kaum waren wir aus dem Bus ausgestiegen, startete dieser den Motor und die ganze Kolonne rückte ein Stück vorwärts. Voller Hoffnung stiegen wir wieder ein und warteten. Doch nichts geschah. Nach einer weiteren Stunde wurden wir definitiv unruhig. Wir wollten uns in Uyuni noch mit zwei Freunden aus Sucre treffen, daher wäre es doppelt blöd, wenn wir es nicht schaffen. Wir hielten deshalb noch einmal Ausschau nach einem Taxi, aber wir fanden keines mehr. Die Situation war hoffnungslos und unsere Stimmung sank immer mehr. Wir hatten uns so gefreut auf dieses Wochenende und jetzt waren wir kurz davor das ganze abzubrechen, weil wir es nicht mehr rechtzeitig nach Uyuni schaffen würden. Mittlerweile waren die Wassermelonen, die Bananen und die Brötchen gegessen, die wir auf der Strasse gekauft haben und die Stimmung im Keller. Als es nach sieben Stunden immer noch kein Stück weiter ging war für uns klar, wir würden es definitiv nicht mehr nach Uyunin schaffen. Schweren Herzens sagten wir den beiden Freunden aus Sucre ab und beschlossen, die Bustickets zusammenzulegen und den Preis aufzuteilen, den wir verloren haben. Denn das Ticket von Sucre nach Uyuni war teurer, denn wir hatten ja (zum Glück) erst das Busticket bis Oruro, da wir die Weiterreise und die Dreitagestour sowieso erst in Uyuni buchen wollten, da es dort ganz sicher günstiger wäre. Tja, so kann es in Bolivien laufen. Man plant etwas und dann kommt doch alles anders. Wir waren dann auch ziemlich traurig, dass es nicht geklappt hat, denn wir haben etwas Zeitdruck mit dem Salar de Uyuni. Wir möchten unbedingt in der Regenzeit hin, da dann der ganze See mit etwas Wasser überdeckt ist und so zum grössten Spiegel der Welt wird, und die Regenzeit ist schon bald vorbei. Zudem ist nächstes Wochenende Carnaval in Cochabamba, den wir eigentlich auch gerne besucht hätten, aber das wird jetzt wohl nichts, da wir uns sehr wahrscheinlich zwischen dem Salar de Uyuni mit Wasser und dem Carnaval entscheiden müssen. Ich mag solche Entscheidungen gar nicht, aber wir werden uns entscheiden müssen. Und ihr werdet sicherlich erfahren, wie wir uns dann schlussendlich entscheiden werden. Was wir stattdessen machten? Damit nicht ganz alles umsonst war, beschlossen wir, in eines der kleinen Dörfer etwas nach der Bloceo zu gehen und uns dort Mal umzuschauen. Viel gab es aber nicht zu sehen und da wir viel Gepäck inklusive Schlafsäcke dabei hatten, beschlossen wir zurück nach Cochabamba zu gehen. Das war aber leichter gesagt als getan. Da die Bloceo mittlerweile den ganzen Tag andauerte haben die LKW's angefangen auf der Gegenfahrbahn vorzufahren. Daher kamen die Trufis (kleine Busse) auch nicht mehr durch, und wir mussten zwischen den Lastwagen bis zur Bloceo laufen. Zu allem Übel begann es dann auch noch zu regnen. Passte irgendwie zu unserem Tag. Wir fuhren schliesslich mit einem Taxi bis nach Quillocollo, einem Teil von Cochabamba wo wir nachher ohne Probleme ein Trufi kriegen sollten. Der Taxifahrer musste aber über Land fahren, da der Highway auch auf der anderen Seite der Bloceo auf beiden Strassenseiten mit LKW's zugestellt war. Ca. um 21 Uhr waren wir dann wieder zu Hause und trafen auf ziemlich erstaunte Gastgrosseltern, da sie uns definitiv nicht so früh zurück erwartet haben. Für was die Bloceo war, haben wir bis heute noch nicht herausgefunden...


Am Freitag ging ich dann ganz normal Arbeiten und am Samstag nachmittag beschlossen wir noch im Tunari Nationalpark, der sich oberhalb von Cochabamba befindet, wandern zu gehen und dann dort zu Zelten. Der Aufstieg war ziemlich anstrengend und uns wurde wieder einmal bewusst, wie wenig wir uns an die Höhe hier akklimatisiert haben. Hoffentlich kommt das bald. Der Parkwächter meinte, in höchstens einer Stunde würden wir zu einem Wasserfall kommen, wo es schön flach, und somit ideal zum Zelten ist. Ich weiss nicht, wie die diese Zeit berechnet haben, aber es war definitiv mehr als eine Stunde. Und ich glaube selbst wenn wir besser an die Höhe gewöhnt wären, hätten wir das nicht in einer Stunde geschafft. Wir fanden den Wasserfall aber schlussendlich und fanden auch einen einigermassen flachen Platz, wo wir unsere Zelte aufschlagen konnten. Allerdings war das Gelände leicht abfallend. Zuerst machte ich ein paar Drohnenflüge, denn bald würde es dunkel werden. Danach stellten wir die Zelte auf und das Zelt von Kristina und mir sah ziemlich klein aus. Wir haben es hier gekauft und auf der Hülle stand, dass es zwei Meter lang ist, doch das kann fast nicht sein, denn ich konnte nicht ausgestreckt liegen. Dementsprechend unangenehm war die Nacht. Ich wachte alle paar Stunden auf, denn ich konnte nicht die ganze Zeit mit angewinkelten Beinen in der gleichen Position schlafen. Wir müssen zu Hause Mal nachmessen, wie lang das Zelt wirklich ist. Am nächsten Morgen gingen wir noch zum grossen Wasserfall, wo Ben eine Dusche in dem Eiskalten Wasser nahm. Dann machten wir uns an den Abstieg. Die Sonne brannte wieder unbarmherzig auf uns runter und es war ganz schön heiss trotz der Höhe. Zurück in der Stadt assen wir etwas Zmittag und gingen dann nach Hause, da wir doch ziemlich kaputt von der Wanderung und der unbequemen Nacht waren. Trotz allem war es schön, und ich bin froh, dass wir doch noch etwas Tolles aus dem Wochenende machen konnten.



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